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1962 verkündete der amerikanische Künstler Donald Judd das Ende der Malerei. Das Bild in seiner klassischen Form habe ausgedient. Auf Ausstellungen und in den Museen verlor das Tafelbild an Bedeutung - Performance, Happening, Installationen, neue Medien weckten die Aufmerksamkeit der Betrachter. Trotz dieser Entwicklung interessiert sich Peter Peppel ausschließlich für das Bild in seiner klassischen Form. Die Fragen, die ihn beschäftigen lauten vielmehr: „Gibt es noch Bilder, die Bestand haben?“ Und: „Auf welche Art und Weise können sie geschaffen werden?“
Der an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg ausgebildete Künstler erkannte rasch, dass Zeichnen Grundlage jeder guten Malerei ist. All seine Bilder beruhen auf Zeichnungen. In einen Rahmen, der bewusst gesetzt ist, fügt er Linien zu Kompositionen. Von einer bestimmten Bildvorstellung geht er dabei zunächst nicht aus. Die freie, organisch bewegte Linie fügt sich Linie an Linie und schafft Formen, die sich dann inhaltlich aufladen. Es entstehen in kurzer Zeitspanne hunderte kleinformatiger Skizzen, ganz spontan und unmittelbar. Dabei macht er sich frei von allem Gedachten und Gewollten, bis die Linien für sich selbst sprechen und Inhalte freigeben, die sich aus den Linien herauskristallisieren. Ziel ist, der Hand freien Lauf zu lassen. Linien fügen sich zu einem Netz, das Inhaltliches schöpft und offenbart.
Entscheidend ist für Peter Peppel also genau der Moment, in dem die zunächst abstrakten, aus dem Unterbewussten erwachsenden Formen plötzlich eine klare inhaltliche Aussage machen. Dies bedeutet eine radikale Umkehr der bisherigen Entwicklung der Malerei, welche vom Abbild, von der Gegenständlichkeit, zur Abstraktion und zur Gegenstandslosigkeit vordringt. Abstraktion wird als Grundlage der Kunst vorausgesetzt. Auf seine Weise schöpft Peter Peppel Inhalte, die eben nicht vor dem Malprozess explizit festgelegt wurden.
Bei seiner großformatigen Malerei geht Peppel genauso unmittelbar vor wie bei den kleineren Blättern. Ein Liniennetz schafft die Basis für den freien Farbauftrag. Die Farbe wird in einer Schicht gemalt. Diese Prima-Malerei zeigt die ursprünglich aufgetragene Farbe. Eine scheinbar falsch gesetzte Farbe wird nicht übermalt, sondern als Herausforderung gesehen, mit diesem Fehler bewusst weiter zu arbeiten. Am Ende des Malprozesses „kippt“ das Bild von der Zeichnung in die Malerei.
Viele Jahre beschränkte sich Peppel mit Absicht auf das kleine Format. Erst jetzt, nach 25 Jahren, scheint ihm der Moment gekommen, in dem er sich auch dem großen Format stellt: „Der Spannungsbogen von der Zeichnung über die Malerei schafft Bilder, die allein durch die Mittel der Malerei entstanden sind.“
Peter Peppel ist davon überzeugt, dass jeder Mensch aus einem „Pool“ von inneren ungemalten Urbildern schöpft. In diese Werke fließen aktuelle politische, soziale, persönliche oder gesellschaftliche Elemente ein. Zeichnung und Malerei sieht er als sinnstiftenden Prozess der hilft, eine Vorstellung von sich und der Welt zu gewinnen. Das eigentliche Bild entsteht erst im Dialog des Kunstwerkes mit dem Betrachter, und zwar in jenem Augenblick, in dem dieser das Bild zu seiner inneren, ungemalten Vorstellung in Beziehung setzt. Der Schlüssel zum Innersten eines Kunstwerks liegt im Betrachter selbst.
Erst nach Fertigstellung eines Werkes beginnt die Auseinandersetzung mit seiner Inhaltlichkeit: Es erhält seinen Namen. Der Titel stellt jedoch keine Erklärung, keine Anweisung zum Sehen dar, sondern eine Interpretationshilfe. Dazu meint der Künstler: „Mit Erstaunen stelle ich immer wieder fest, dass bei meiner Vorgehensweise komplexe Bildwelten und Bildinhalte entstehen. Wenn ich wüsste was ich male, würde ich nicht malen!“
Professor Dr. Josef Kern
Inst. für Kunstgeschichte der Universität Würzburg